Anthropic-S-1: 1.300 % Wachstum. 2 Billionen Dollar IPO Mitte November?
Das Briefing für Gründer, die keine Zeit für 40 Newsletter haben.
Anthropic hat gestern das S-1 für den Mitte November anvisierten Börsengang eingereicht, und zum ersten Mal liegen geprüfte Zahlen eines Frontier-Labs auf dem Tisch. Ich habe mir die Kennzahlen angeschaut, die für dich als Gründer interessant sind.
Top-Story
Anthropic-S-1: 16,3 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Halbjahr, Marge springt von 12 auf 85 Prozent
Anthropic hat am 26. Oktober die Form S-1 bei der SEC eingereicht und will unter dem Kürzel ANT an die Nasdaq. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 lag bei 16,3 Milliarden Dollar, nach 1,16 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das sind rund 1.300 Prozent Wachstum oder auch 14x. Gleichzeitig weist das Unternehmen einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar aus, der größtenteils aus Bewertungsanpassungen stammt.
Die operative Seite sieht anders aus als der Verlust vermuten lässt. Die Cost of Revenue stieg auf 2,38 Milliarden Dollar, bei 16,29 Milliarden Dollar Umsatz. Das impliziert eine Bruttomarge von 85 Prozent, nach 12 Prozent im Vorjahreszeitraum. Anthropic schreibt allerdings selbst ins Prospekt, dass die operative Marge schwanken wird, besonders in Quartalen mit großen Compute-Lieferungen.
Der Enterprise-Teil ist das eigentliche Kernstück. Zum 30. September zählte Anthropic über 11.900 Kunden mit mindestens 100.000 Dollar Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten, nach über 950 ein Jahr zuvor. Diese Gruppe steht für 12 Milliarden Dollar oder 74 Prozent des Halbjahresumsatzes. Über 1.900 Kunden zahlen mehr als eine Million Dollar, rund 250 mehr als zehn Millionen. Die Net Revenue Retention lag im dritten Quartal bei 900 Prozent. Mehr als die Hälfte der Kunden ab 100.000 Dollar nutzt inzwischen Plattform und eine eigene Anwendung wie Claude Code oder Cowork, Ende letzten Jahres waren es rund 30 Prozent.
Dazu zwei Zahlen zur Effizienz: Anthropic hatte Ende September 5.300 Mitarbeiter, Ende 2024 waren es 940. Der Umsatz pro Mitarbeiter über die letzten zwölf Monate liegt bei 6,6 Millionen Dollar, nach 1,4 Millionen ein Jahr zuvor. Das internationale Geschäft kam im ersten Halbjahr auf 4,5 Milliarden Dollar, nach 343 Millionen. Berichten zufolge sollen bei der Preisfestsetzung Mitte November 100 Milliarden Dollar oder mehr eingesammelt werden, bei einer Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar. Im Prospekt stehen außerdem langfristige Compute- und Infrastrukturverpflichtungen von über 500 Milliarden Dollar.
Quellen: CNBC, TechCrunch, Yahoo Finance
Finanzierungsrunden
Enact Intelligence holt 30 Millionen Dollar Pre-Seed, Schweizer Rekord
Das Zürcher Robotik-Startup Enact Intelligence kommt mit 30 Millionen Dollar aus dem Stealth, laut Dealroom die größte Pre-Seed-Runde der Schweizer Geschichte. Redalpine und Notion Capital führen gemeinsam an, Firstminute Capital ist dabei, als Angels kommen Mistral-CEO Arthur Mensch und der frühere Meta-KI-Chef Yann LeCun dazu. Enact baut Roboter, die Kraft und Berührung über die Motoren spüren statt über separate teure Sensoren, und spricht bereits mit europäischen Herstellern über erste Einsätze. Das Team ist zwölf Köpfe groß, wurde im März 2026 gegründet und will bis Ende 2027 verfünffachen.
Quellen: Dealroom, Trending Topics
Seaya schließt 600-Millionen-Euro-Wachstumsfonds in sechs Monaten
Das spanische VC Seaya hat Seaya Nova gelauncht, einen Wachstumsfonds mit einem ersten Closing über 600 Millionen Euro nach nur sechs Monaten. Die Tickets liegen bei 20 bis 50 Millionen Euro pro Unternehmen, das verwaltete Vermögen verdoppelt sich damit auf rund 1,2 Milliarden Euro. Ankerinvestor ist der Europäische Investitionsfonds über die European Tech Champions Initiative, dazu kommen Institutionen, Unternehmen und Family Offices. Fondsgründerin Beatriz Gonzalez führt Nova zusammen mit Vinoth Jayakumar, früher Partner bei Molten Ventures, der jetzt ein neues Büro in London leitet.
Quellen: EU-Startups, Dealroom
KI-Updates
Helsing stellt Contra vor, Abfangraketen für unter 100.000 Dollar pro Schuss
Helsing hat am 26. Oktober das KI-gesteuerte autonome Luftabwehrsystem Contra vorgestellt, dazu die zwei Abfangraketen AD-1 Inferno und AD-2 Ambush. Laut Defense News bietet Helsing das Abfangen von Angriffsdrohnen für unter 100.000 Dollar pro Schuss an. Die AD-2 Ambush erreicht mit Feststoffraketenmotor über Mach 2.5 und hat einen Einsatzradius von mehr als 20 Kilometern. In Europa flossen 2026 laut EU-Startups rund 511 Millionen Euro in Interceptor- und Counter-Drone-Technologie.
Quellen: Defense News, Helsing Newsroom
OpenAI will 30 Milliarden Dollar vor der Nasdaq-Premiere des Konkurrenten einsammeln
Reuters berichtete am 19. Oktober, OpenAI wolle rund 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von über 1,4 Billionen Dollar aufnehmen, und zwar vor Mitte November. Dabei sollen SoftBank und MGX aus Abu Dhabi an Bord sein. OpenAI wirbt mit 50 Milliarden Dollar annualisiertem Umsatz und einer Prognose von 70 Milliarden Dollar bis Jahresende. Ein CNBC-Bericht vom 22. Oktober nannte dagegen eine Pre-Money-Bewertung von 1,25 Billionen Dollar. In den Investorenunterlagen kalkuliert OpenAI inzwischen mit rund 750 Milliarden Dollar Compute-Ausgaben bis 2030, zuvor waren es 665 Milliarden.
Quellen: Reuters via Yahoo Finance, Tech Insider
Moonshot veröffentlicht Kimi K3.1 Pro mit 2,8 Billionen Parametern
Moonshot AI hat Kimi K3.1 Pro am 23. Oktober gelauncht, ein Modell mit 2,8 Billionen Parametern, davon 104 Milliarden aktiv, und einem Kontextfenster von einer Million Token. Die offenen Gewichte sollen bis zum 4. November folgen. Auf Terminal-Bench 4.0 kommt das Modell auf 65,7 Prozent und liegt damit 0,7 Punkte hinter dem stärksten getesteten Closed-Source-Modell und klar vor GPT-6 Astra mit 58,2 Prozent. Die Halluzinationsrate im internen Stresstest fiel von 23,4 Prozent beim Vorgänger auf 8,3 Prozent. Moonshot hat vor der Veröffentlichung gezielt Cyberangriffs-Trainingsdaten entfernt, die Lösungsrate im internen Exploit-Benchmark sank dadurch von 90,5 auf 81 Prozent.
Quellen: TechInsider, The Next Web
Save the Date
Bis 13. November: Bewerbungsschluss für das Physical AI Growth Lab von UnternehmerTUM Accelerator zusammen mit Microsoft, NVIDIA und Infineon. Das Programm läuft viermonatig von Januar bis April 2027, nimmt 10 bis 15 Teams auf und ist kostenlos und equity-frei. UnternehmerTUM
7. und 8. November: Young Founders Conference im NLND Neuland Berlin, einer ehemaligen Industriehalle in Neukölln. Erwartet werden 1.500 junge Gründer und über 40 Speaker, Tickets gibt es ab 25 Euro. Gründerfreunde
Mitte November: Preisfestsetzung des Anthropic-Börsengangs an der Nasdaq.
Bis Freitag :)
Fabian
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Funding, KI mit Impact, neue Europa-VCs, handpicked Events. In 5 Minuten gelesen, kuratiert von Fabian Tausch.



