13. April 2026
Wie bestimme ich die Bewertung meiner (Pre-)Seed-Runde?
Über diese Episode
Die Bewertung deines Startups in der (Pre-)Seed-Phase ist eine der kniffligsten Fragen, die du als Gründer klären musst. Viele denken, es geht dabei primär um Traction, Umsatz oder andere harte Kennzahlen. Doch die Realität sieht anders aus: In dieser frühen Phase ist die Bewertung weniger ein Spiegelbild deiner aktuellen Performance, sondern vielmehr ein mathematisches Konstrukt.
Warum Traction in (Pre-)Seed-Runden zweitrangig ist
In späteren Finanzierungsrunden – Series A und darüber hinaus – spielen messbare Erfolge eine zentrale Rolle bei der Bewertung. Dort schauen Investoren auf Revenue Multiples, Wachstumsraten und etablierte Kennzahlen. Bei (Pre-)Seed-Runden ist das komplett anders.
Hier investieren Angels und VCs primär in das Potenzial: das Team, die Vision, den Markt und die Lösung für ein echtes Problem. Die meisten Startups haben zu diesem Zeitpunkt noch keinen nennenswerten Umsatz oder nur sehr frühe Traction-Signale.
Die Mathematik hinter (Pre-)Seed-Bewertungen
Die Bewertung in dieser Phase folgt anderen Regeln. Statt komplexer Bewertungsmodelle geht es um grundlegende mathematische Überlegungen:
Verwässerung und Anteile: Investoren wollen typischerweise 15-25% Anteile für ihre Investition. Wenn du 500.000 Euro einsammeln möchtest und bereit bist, 20% abzugeben, ergibt sich automatisch eine Pre-Money-Bewertung von 2 Millionen Euro.
Marktstandards: Es gibt Bandbreiten, die in verschiedenen Märkten und Regionen üblich sind. In Deutschland bewegen sich (Pre-)Seed-Bewertungen oft zwischen 1-5 Millionen Euro Pre-Money, abhängig von Sektor und Team-Background.
Investor-Erwartungen: VCs haben klare Zielrenditen im Kopf. Wenn sie glauben, dein Startup könnte in 7-10 Jahren 100 Millionen Euro wert sein, rechnen sie rückwärts, welche heutige Bewertung ihre angestrebte 10x+ Rendite ermöglicht.
Praktische Faktoren, die deine Bewertung beeinflussen
Das Gründerteam: Erfahrene Serial Entrepreneurs oder Gründer mit relevantem Domain-Expertise können höhere Bewertungen durchsetzen als First-Time-Gründer.
Der Markt: Ein riesiger, wachsender Markt rechtfertigt höhere Bewertungen als Nischenmärkte, auch wenn die aktuelle Traction identisch ist.
Timing und Momentum: In heißen Sektoren oder bei mehreren interessierten Investoren steigen die Bewertungen durch Konkurrenz.
Kapitalbedarf: Wie viel Geld brauchst du wirklich bis zur nächsten Runde? Das beeinflusst sowohl die Summe als auch die Verwässerung.
Deine Verhandlungsposition stärken
Obwohl Traction nicht alles ist, solltest du trotzdem frühe Erfolge vorweisen können:
- –Erste zahlende Kunden oder eine Warteliste
- –Product-Market-Fit-Signale
- –Ein funktionierender Prototyp
- –Strategische Partnerschaften
Diese Faktoren geben dir mehr Verhandlungsspielraum, auch wenn sie nicht die Hauptbewertungsgrundlage sind.
Der richtige Rahmen für deine Runde
Bevor du in Verhandlungen gehst, solltest du dir über folgende Punkte klar werden:
- –Wie viel Kapital benötigst du realistisch?
- –Wie viel Verwässerung bist du bereit zu akzeptieren?
- –Welche Bewertungen sind in deinem Sektor und deiner Region üblich?
Die Bewertung ist letztendlich das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Je mehr qualifizierte Investoren sich für dein Startup interessieren, desto besser deine Verhandlungsposition.
Fazit: Mathematik schlägt Metriken
In (Pre-)Seed-Runden geht es weniger um deine aktuellen Zahlen als um das mathematische Zusammenspiel von Kapitalbedarf, Verwässerung und Investor-Erwartungen. Verstehe diese Dynamik, bereite dich entsprechend vor und fokussiere dich darauf, eine überzeugende Vision zu vermitteln – die harten Metriken kommen in späteren Runden.
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