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2. Dezember 2025

Wie baut man Produkte, die Kunden wirklich lieben? Ex-Trade Republic Produktchef erklärt

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Über diese Episode

David Schreiber kennt beide Seiten der Produktentwicklung: Als ehemaliger Produktchef bei Trade Republic und Stripe hat er sowohl B2C- als auch B2B-Produkte geprägt, die Millionen von Nutzern begeistern. Heute baut er mit Duna eine Identitäts-Infrastruktur auf und teilt seine Erkenntnisse darüber, wie sich Produktphilosophien zwischen Europa und den USA unterscheiden – und warum das für Gründer entscheidend ist.

US vs. Europa: Zwei verschiedene Produktwelten

Die Unterschiede in der Produktentwicklung zwischen den USA und Europa sind fundamental. Während amerikanische Unternehmen oft auf schnelle Skalierung und aggressive Expansion setzen, verfolgen europäische Teams einen pragmatischeren Ansatz. "Europäische Produktteams denken oft komplexer und berücksichtigen von Anfang an regulatorische Aspekte", erklärt Schreiber.

Dieser Unterschied wird besonders bei B2B-Infrastruktur deutlich. Europa bietet hier sogar Vorteile: Die Bereitschaft, komplexe Probleme durchdacht anzugehen, macht europäische Gründer zu idealen Kandidaten für anspruchsvolle B2B-Lösungen.

Vision vs. Pragmatismus: Die richtige Balance finden

Ein zentrales Thema für Produktmanager ist die Balance zwischen großer Vision und praktischer Umsetzung. Schreiber betont: Der Schlüssel liegt darin, eine klare Langzeitvision zu haben, aber gleichzeitig in kleinen, messbaren Schritten voranzugehen.

Bei B2B-Produkten unterscheidet sich dieser Ansatz erheblich von B2C. Während Consumer-Produkte oft auf emotionale Reaktionen und Viralität setzen, geht es bei B2B um messbare Geschäftsergebnisse und ROI.

Wie KI die Produktentwicklung verändert

Die KI-Revolution stellt etablierte Produktprinzipien auf den Kopf. Traditional gedachte "Burggräben" – wie proprietäre Daten oder komplexe Technologie – verlieren an Bedeutung. Stattdessen werden Netzwerkeffekte und Kundenvertrauen zu den entscheidenden Wettbewerbsvorteilen.

Für Duna bedeutet das: Statt nur ein Produkt zu bauen, entwickelt Schreiber ein Netzwerk. Die Identitäts-Infrastruktur wird wertvoller, je mehr Teilnehmer sie nutzen.

Go-to-Market: Co-Development als Strategie

Bei der Markteinführung setzt Schreiber auf Co-Development mit ausgewählten Kunden. Diese Strategie bietet mehrere Vorteile:

  • Direktes Feedback während der Entwicklung
  • Starke Kundenbindung von Anfang an
  • Reduziertes Produktrisiko durch validierte Anforderungen

Die ersten Kunden sind dabei entscheidend. "Wir haben zwischen Weihnachten und Launch unsere ersten Kunden gewonnen", berichtet Schreiber. Der Schlüssel: Die richtigen Partner zu finden, die bereit sind, gemeinsam zu experimentieren.

Pricing: Business Case statt versteckte Gebühren

Bei der Preisgestaltung verfolgt Duna einen transparenten Ansatz. Statt auf versteckte Gebühren zu setzen, orientiert sich das Pricing am Business Case des Kunden. Success-Based Modelle sorgen dafür, dass Kunden nur dann zahlen, wenn sie auch wirklich Wert erhalten.

Dieser Ansatz beeinflusst auch die Net Revenue Retention (NRR): Kunden bleiben länger, weil der Wert klar messbar ist.

Product-Market Fit: Mehrdimensional denken

Product-Market Fit ist nicht binär – es ist ein Spektrum. Schreiber unterscheidet zwischen "gut genug" und "Magic". Während "gut genug" ausreicht, um erste Kunden zu gewinnen, braucht es "Magic" für echte Skalierung.

Dabei spielt Segmentierung eine wichtige Rolle. Verschiedene Kundensegmente haben unterschiedliche Definitionen von Product-Market Fit. Was für Startups funktioniert, muss nicht automatisch für Enterprise-Kunden passen.

Die nächsten drei Jahre: Vom Produkt zum Netzwerk

Für Duna ist die Vision klar: In den nächsten drei Jahren soll sich das Unternehmen von einem Produktanbieter zu einem Netzwerk entwickeln. Je mehr Unternehmen die Identitäts-Infrastruktur nutzen, desto wertvoller wird sie für alle Beteiligten.

Warum Europa der richtige Standort ist

Trotz aller Diskussionen über Silicon Valley als Startup-Mekka sieht Schreiber Europa als idealen Standort für bestimmte Geschäftsmodelle. Besonders bei komplexer B2B-Infrastruktur, die regulatorische Compliance und durchdachte Architektur erfordert, spielen europäische Teams ihre Stärken aus.

Die Kombination aus technischer Exzellenz, pragmatischem Vorgehen und regulatorischem Know-how macht Europa zu einem unterschätzten Standortvorteil für ambitionierte B2B-Gründer.

Fazit: Produktentwicklung als Kunstform

David Schreibers Erfahrungen zeigen: Erfolgreiche Produktentwicklung ist eine Kunstform, die Vision und Pragmatismus, Kundenverständnis und technische Exzellenz vereint. Für europäische Gründer liegt die Chance darin, ihre natürlichen Stärken – komplexes Denken, regulatorisches Verständnis, nachhaltige Entwicklung – als Wettbewerbsvorteile zu nutzen.

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