13. April 2026
Warum das deutsche Ökosystem sich weiter vom Silicon Valley abhängen lässt
Über diese Episode
Philipp Möhring von Tiny.vc gehört zu den aktivsten Frühphaseninvestoren Deutschlands. Sein Fonds investiert jährlich bis zu 200.000 Euro in 50 bis 100 Startups und hat kürzlich die dritte Fondsgeneration aufgelegt. Durch seine Zeit bei Seedcamp und AngelList ist Möhring stark in Europa und den USA vernetzt – eine perfekte Position, um die Unterschiede zwischen den Ökosystemen zu beurteilen.
Die Investitionsstrategie von Tiny.vc
Tiny.vc verfolgt eine diversifizierte Investmentstrategie mit hohem Volumen. "Wir haben eigentlich gerade unsere Series A geraised", beschreibt Möhring scherzhaft den Aufbau seines eigenen Unternehmens. Der Fonds hat kontinuierlich sein Team aufgestockt und die Prozesse professionalisiert, um die hohe Anzahl an Investments effizient abwickeln zu können.
Die Strategie basiert auf der Überzeugung, dass diversifizierte Portfolios bei Frühphaseninvestments bessere Risiko-Rendite-Profile bieten als konzentrierte Ansätze. Während konzentrierte Portfolios theoretisch höhere Returns erzielen können, ist das Risiko eines Totalausfalls deutlich höher.
Deutsche vs. amerikanische Startup-Ökosysteme
Die Unterschiede zwischen Deutschland und dem Silicon Valley sind nach Möhrings Einschätzung noch immer gravierend. Das amerikanische Ökosystem profitiert von mehreren strukturellen Vorteilen:
Kapitalverfügbarkeit: In den USA ist deutlich mehr Risikokapital verfügbar, und Investoren sind risikobereiter. Deutsche Investoren sind oft konservativer und bevorzugen etabliertere Geschäftsmodelle.
Mentalität und Risikobereitschaft: Amerikaner gehen anders mit Misserfolgen um. Ein gescheitertes Startup wird dort oft als wertvolle Erfahrung gesehen, während in Deutschland das Stigma des Scheiterns noch immer stark ausgeprägt ist.
Netzwerkeffekte: Das Silicon Valley profitiert von jahrzehntelang gewachsenen Netzwerken zwischen Investoren, Gründern und Talenten. Diese Dichte an Expertise und Verbindungen ist in Deutschland noch nicht erreicht.
Der Investmentprozess bei hohem Volumen
Um jährlich in 50 bis 100 Startups investieren zu können, hat Tiny.vc seine Prozesse stark systematisiert. Der Schlüssel liegt in effizienten Bewertungsverfahren und klaren Entscheidungskriterien. Gleichzeitig muss der persönliche Kontakt zu den Gründern gewährleistet bleiben.
Eine besondere Rolle spielen dabei hochwertige Intros. Möhring betont, dass eine gute Einführung nicht nur die Credentials des Startups, sondern auch den Kontext und die spezifischen Stärken des Teams hervorheben sollte.
Was sich mit der dritten Fondsgeneration ändert
Mit dem dritten Fonds professionalisiert Tiny.vc weiter. Das bedeutet größere Ticket-Sizes, strukturiertere Prozesse und erweiterte Services für Portfolio-Unternehmen. Der Fokus liegt darauf, von einem reinen Kapitalgeber zu einem strategischen Partner zu werden.
Trend-Analyse am Beispiel KI
Bei Hype-Themen wie Künstlicher Intelligenz verfolgt Tiny.vc einen pragmatischen Ansatz. Statt blindlings dem Trend zu folgen, analysiert das Team, welche konkreten Probleme gelöst werden und ob das Geschäftsmodell nachhaltig ist. Der KI-Boom bietet Chancen, birgt aber auch die Gefahr von Überbewertungen.
Einstieg ins Angel Investing
Für angehende Angel-Investoren empfiehlt Möhring einen schrittweisen Einstieg. Wichtig ist, zunächst das eigene Netzwerk zu nutzen und mit kleineren Beträgen zu beginnen. Diversifikation ist gerade in der Anfangsphase entscheidend, da die Lernkurve steil ist und frühe Investments oft nicht optimal sind.
Der Austausch mit erfahrenen Investoren und das Studium erfolgreicher Cases helfen dabei, ein Gespür für vielversprechende Investments zu entwickeln. Angel Investing ist ein Marathon, kein Sprint – entsprechend sollte die Herangehensweise langfristig ausgerichtet sein.
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