28. August 2026/66 min
Vom 100x-Hype-Multiple zum echten Unicorn: Wie Moss den Crash überlebte – Ante Spittler
Über diese Episode
Über 70 Millionen Euro ARR, ein Wachstum von 60-70 % seit zwei Jahren, eine Bewertung über einer Milliarde – Moss ist offiziell ein Unicorn. Ante Spittler, Mitgründer des Spend-Management-Anbieters, tut sich mit dem Begriff trotzdem schwer: "Eigentlich ein bisschen makaber, so als Fabelwesen." Der Status klingt nach Glamour, die Realität dahinter war harte Arbeit, zwei Kürzungsrunden und eine radikale Neuausrichtung der Wachstumslogik.
Die 100x-Bewertung von 2022
Zurück ins Jahr 2022: Moss steht bei 5 Millionen ARR – und wird bereits mit einer halben Milliarde bewertet. Ein 100x-Multiple, wie es im Hype der Nullzinsphase üblich war. Wachstum um jeden Preis, Bewertungen, die sich komplett von der operativen Realität gelöst hatten. Heute, mit über 70 Millionen ARR, liegt die Bewertung über einer Milliarde – das Multiple ist auf 14-15x gefallen. Auf dem Papier ein Abschlag. Tatsächlich der Übergang von einem Hype-Preis zu einem, der sich an echten Fundamentaldaten orientiert.
Diese Verschiebung ist kein Randdetail, sondern der Kern der Geschichte: Moss musste lernen, in einem Umfeld zu überleben, in dem die Kapitalmärkte plötzlich andere Fragen stellten als noch ein Jahr zuvor.
Der Turn zur Burn-Multiple-Disziplin
Als die Zinsen stiegen und die Bewertungslogik am Markt kippte, musste sich auch Moss neu justieren. Statt Wachstum um jeden Preis zu finanzieren, rückte die sogenannte Burn-Multiple-Disziplin in den Fokus – also die Frage, wie viel verbranntes Kapital für wie viel neuen ARR aufgewendet wird. Ein Prinzip, das in der Boomphase für viele Startups zweitrangig war, plötzlich aber überlebenswichtig wurde.
Diese Neuausrichtung ging nicht ohne Einschnitte. Moss musste zwei Kürzungsrunden durchführen – ein schmerzhafter, aber offenbar notwendiger Schritt, um das Unternehmen auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad zu bringen. Statt Wachstum auf Kosten der Effizienz zu erkaufen, ging es darum, beides in Einklang zu bringen: weiterhin 60-70 % Wachstum zu liefern, aber mit einer Kostenstruktur, die auch in einem schwierigeren Kapitalmarktumfeld tragfähig ist.
Vom Fabelwesen zur belastbaren Zahl
Der Unterschied zwischen der Bewertung 2022 und heute ist mehr als nur eine Zahl. Er steht sinnbildlich für den Wandel der gesamten Startup-Landschaft: weg von Multiples, die auf Zukunftsfantasie basieren, hin zu Multiples, die sich an ARR, Wachstumsrate und Effizienz orientieren. Dass Moss von einer halben Milliarde bei 5 Millionen ARR zu über einer Milliarde bei über 70 Millionen ARR gekommen ist, zeigt: Das Unternehmen hat den Absprung von der Hype-Bewertung zur fundamentalen Bewertung geschafft – und ist dabei nicht implodiert, wie es vielen anderen Unicorns aus der Boomphase passiert ist.
Die nächste Welle: Office of the CFO
Trotz aller Rückblicke sieht Spittler das eigentlich Spannende noch vor sich. Die größte Welle, so sagt er, starte erst jetzt – im Office of the CFO. Spend Management, wie Moss es anbietet, ist nur ein Ausschnitt der Finanzprozesse, die in Unternehmen digitalisiert und automatisiert werden können. Die These: Die Transformation der Finanzabteilung steht trotz aller bisherigen Fortschritte noch am Anfang, und Moss will Teil dieser nächsten Phase sein.
Was daraus zu lernen ist
Die Geschichte von Moss ist eine Blaupause für viele Startups, die durch die Zinswende der letzten Jahre mussten: Hype-Bewertungen sind schnell erreicht, aber schwer zu verteidigen. Wer den Übergang zu einer fundamentaldatenbasierten Bewertung schafft – auch wenn das schmerzhafte Einschnitte wie Personalabbau bedeutet – hat am Ende die Chance auf eine belastbarere, echte Erfolgsgeschichte. Der Unicorn-Status mag makaber klingen, wie Spittler sagt. Aber er ist in diesem Fall das Ergebnis von Disziplin, nicht von Fantasie.
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