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13. April 2026

Unternehmenskultur im Wandel: Sind wir zu verweichlicht? - mit Markus Witte, Babbel

Über diese Episode

Babbel ist heute mit 16 Millionen verkauften Abonnements und über 250 Millionen Euro Jahresumsatz die größte globale Sprachlernapp. Was 2007 mit der simplen Frage begann, wie man Sprachen lernen ins Internet und später aufs Handy bringen kann, entwickelte sich zu einer der wenigen deutschen Startup-Erfolgsgeschichten, die über 17 Jahre hinweg stabil und profitabel blieb.

Markus Witte, Mitgründer von Babbel, verließ das Unternehmen Ende 2019 mit den Worten: "Ich wollte herausfinden, wer ich ohne die Firma bin." Im Gespräch teilt er seine Erkenntnisse über Unternehmensführung, Teamdynamiken und die Frage, ob moderne Unternehmenskultur zu harmonieorientiert geworden ist.

Die Basis für langfristigen Erfolg schaffen

Was unterscheidet Babbel von den zahllosen Startups, die nach wenigen Jahren verschwinden? Markus betont die Bedeutung, mit dem Problem zu beginnen, nicht mit der Lösung. "Wir haben uns gefragt: Wie kann man effektiv Sprachen lernen? Erst dann haben wir nach technischen Lösungen gesucht."

Diese problemorientierte Herangehensweise, kombiniert mit einer Portion Glück und dem richtigen Timing, legte den Grundstein für Babbels Langzeiterfolg. Während viele Startups von einer vermeintlich innovativen Technologie ausgehen und dann nach Anwendungsfällen suchen, ging Babbel den umgekehrten Weg.

Ehrliche Feedbackkultur etablieren

Eine der größten Herausforderungen beim Skalieren von 10 auf über 1000 Mitarbeitende ist der Aufbau einer funktionierenden Feedbackkultur. Markus entwickelte ein Framework für bessere Entscheidungsfindung: Die klare Trennung zwischen Entscheidungen, die der Gründer alleine trifft, und solchen, die im Team diskutiert werden.

"Das Problem vieler Unternehmen ist nicht mangelndes Feedback, sondern fehlendes ehrliches Feedback", erklärt Markus. Eine zu harmonieorientierte Kultur kann paradoxerweise schädlich für das Unternehmen sein, wenn wichtige Konflikte unter den Teppich gekehrt werden.

Die Grenzen der Harmonie

Ein zentraler Diskussionspunkt im Gespräch: Wo liegen die Grenzen einer harmoniebedürftigen Unternehmenskultur? Markus argumentiert, dass eine gewisse Streitkultur notwendig ist, um die besten Entscheidungen zu treffen. "Konflikte sind nicht per se schlecht. Sie zeigen oft auf, wo wichtige Entscheidungen anstehen."

Die Herausforderung liegt darin, konstruktive Auseinandersetzungen zu fördern, ohne die Arbeitsatmosphäre zu vergiften. Dies erfordert von Führungskräften ein hohes Maß an Energiemanagement und Anpassungsfähigkeit.

Breaking Points und schwierige Entscheidungen

Jedes erfolgreiche Unternehmen durchlebt kritische Wendepunkte. Bei Babbel waren dies unter anderem Entscheidungen zur Organisationsentwicklung und dem Umgang mit Fehlern in der Führung. Markus teilt offen seine Learnings aus diesen Phasen.

Besonders herausfordernd: Die Trennung von Gründerteam-Mitgliedern, ohne dass die persönlichen Beziehungen leiden. "Es ist wichtig zu verstehen, dass geschäftliche und persönliche Ebene getrennt werden können, aber das erfordert Reife von allen Beteiligten."

Der Ausstieg als Befreiung

Markus' Entscheidung, Babbel 2019 zu verlassen, war nicht von finanziellen Problemen getrieben, sondern von dem Wunsch nach persönlicher Entwicklung. "Nach 12 Jahren war ich so sehr mit der Firma verwachsen, dass ich meine eigene Identität hinterfragen musste."

Heute ist er als Wachstumsbegleiter aktiv und unterstützt andere Unternehmen bei ähnlichen Herausforderungen. Seine Erfahrungen zeigen: Erfolgreiche Unternehmensführung bedeutet auch, zu wissen, wann es Zeit ist loszulassen.

Energiemanagement als Erfolgsfaktor

Ein oft übersehener Aspekt der Unternehmensführung ist das persönliche Energiemanagement. Über 12 Jahre hinweg ein Unternehmen von der Gründung bis zu 1000+ Mitarbeitenden zu führen, erfordert bewusste Strategien zur Erhaltung der eigenen Leistungsfähigkeit.

Markus' Geschichte zeigt: Langfristiger Unternehmenserfolg entsteht nicht nur durch die richtige Strategie und Kultur, sondern auch durch Führungskräfte, die ihre eigenen Grenzen kennen und respektieren.

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