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13. April 2026

Software für die Entwicklung von Elektronik: Warum Celus in einem Milliardenmarkt einen Marktplatz statt ein klassisches Softwareunternehmen aufbaut

Über diese Episode

Das Münchener Software-Startup Celus hat bereits über 30 Millionen Euro von Investoren erhalten und beschäftigt mittlerweile rund 100 Mitarbeitende. Doch was das Unternehmen wirklich interessant macht, ist nicht nur die beeindruckende Finanzierungsrunde, sondern ihr unkonventioneller Ansatz in einem komplexen Markt.

Software für Elektronikentwicklung mit einem Twist

Celus entwickelt Software für Unternehmen, die Elektronik herstellen. Elektroniker können mit der Plattform ihre Produkte designen und entwickeln. Soweit klingt das nach einem klassischen B2B-Software-Geschäft. Doch hier wird es interessant: Celus hat sich bewusst gegen ein traditionelles Software-as-a-Service-Modell (SaaS) entschieden.

Wie Mitgründer Tobias Pohl erklärt, monetarisiert das Unternehmen nicht auf der Nutzerseite, sondern auf der Herstellerseite. Statt ihre Software-Tools direkt an die Elektroniker zu verkaufen, haben sie ein Marktplatzmodell entwickelt. Diese strategische Entscheidung wirft wichtige Fragen zu Geschäftsmodellen in komplexen B2B-Märkten auf.

Warum Marktplatz statt SaaS?

Die Entscheidung gegen eine direkte Nutzermonetarisierung war nicht von Anfang an klar. Celus hat zunächst das klassische SaaS-Modell ausprobiert, bevor sie zu ihrem aktuellen Ansatz wechselten. Diese Pivot-Entscheidung zeigt, wie wichtig es für Gründer ist, flexibel zu bleiben und das Geschäftsmodell basierend auf Marktfeedback anzupassen.

Durch die Monetarisierung auf der Herstellerseite schafft Celus einen mehrwertigen Ansatz: Die Software bleibt für die Elektroniker zugänglich, während gleichzeitig ein nachhaltiges Geschäftsmodell über die Hersteller aufgebaut wird. Dies ist besonders relevant in einem Markt, wo Benutzerakzeptanz und Netzwerkeffekte entscheidend sind.

Komplexe Geschäftsmodelle erfolgreich kommunizieren

Eine der größten Herausforderungen bei komplexen B2B-Geschäftsmodellen ist die Kommunikation – sowohl intern als auch extern. Celus musste lernen, wie man komplexe Zusammenhänge in verständliche Pitches verpackt und dabei das gesamte Team auf der Reise mitnimmt.

Diese Kommunikationsfähigkeiten sind besonders wichtig, wenn es darum geht, Investoren von unkonventionellen Geschäftsmodellen zu überzeugen. Nicht jeder Investor versteht sofort die Logik hinter einem Marktplatzmodell in der Elektronikentwicklung.

Vertrieb lernen als technischer Gründer

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, wie technische Gründer Vertriebskompetenzen entwickeln können. In komplexen B2B-Märkten reicht es nicht, nur ein großartiges Produkt zu haben – man muss auch lernen, es erfolgreich zu verkaufen und Vertrauen im Enterprise-Segment aufzubauen.

Tobias Pohl's Erfahrungen zeigen, dass dieser Lernprozess Zeit braucht und systematisch angegangen werden sollte. Technische Gründer müssen oft ihre Komfortzone verlassen und sich Fähigkeiten aneignen, die zunächst fremd erscheinen.

Investition in Team und Recruiting

Celus hat früh erkannt, dass professionelles Recruiting und HR-Management entscheidend für das Wachstum sind. Mit 100 Mitarbeitenden ist das Unternehmen zu groß, um Personalentscheidungen ad-hoc zu treffen. Die Investition in professionelle HR-Prozesse zahlt sich besonders in einem kompetitiven Markt für Entwicklertalente aus.

Trends in der Halbleiterindustrie

Der Markt, in dem Celus operiert, ist von ständigen Veränderungen geprägt. Die Halbleiterindustrie durchlebt momentan bedeutende Transformationen, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Softwareunternehmen in diesem Bereich schaffen.

Diese Marktdynamik erfordert von Gründern wie Tobias Pohl eine kontinuierliche Bewertung von Chancen und eine agile Anpassung der Unternehmensstrategie.

Fazit: Mut zu unkonventionellen Wegen

Celus zeigt, dass erfolgreiche Geschäftsmodelle nicht immer den etablierten Mustern folgen müssen. Manchmal führt der Weg zum Erfolg über unkonventionelle Ansätze – vorausgesetzt, man kann die Komplexität verständlich kommunizieren und das Team auf der Reise mitnehmen.

Für Gründer komplexer B2B-Geschäftsmodelle bietet Celus' Geschichte wertvolle Einblicke in Strategieentwicklung, Teamaufbau und die Kunst der Kommunikation in technischen Märkten.

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