Alle Episoden

13. April 2026

Secondaries: Warum Gründer Anteile an ihren Firmen verkaufen?

Über diese Episode

Holger Seim von Blinkist brachte es kürzlich im Podcast auf den Punkt: "Ich wünschte, ich hätte früher Secondaries gemacht." Diese Aussage zeigt, wie wichtig das Thema Secondary Transactions für erfolgreiche Gründer geworden ist – und wie oft es unterschätzt wird.

Was sind Secondaries?

Secondary Transactions, kurz Secondaries, bezeichnen den Verkauf bereits bestehender Unternehmensanteile an neue oder bestehende Investoren. Im Gegensatz zu Primary Transactions, bei denen neue Anteile ausgegeben werden und das Kapital direkt ins Unternehmen fließt, wechseln bei Secondaries nur die Eigentumsverhältnisse. Das Geld geht direkt an die verkaufenden Anteilseigner – meist Gründer oder frühe Mitarbeiter.

Wie funktionieren Secondary Transactions?

Der Prozess läuft typischerweise parallel zu einer regulären Finanzierungsrunde ab. Während das Unternehmen neue Anteile an Investoren verkauft (Primary), können gleichzeitig bestehende Anteilseigner einen Teil ihrer Shares veräußern (Secondary). Die Bewertung orientiert sich dabei meist an der aktuellen Finanzierungsrunde.

Wichtige Voraussetzungen für Secondaries:

  • Tag-Along- und Drag-Along-Rechte: Diese müssen in den Gesellschafterverträgen geregelt sein
  • Zustimmung der bestehenden Investoren: Oft haben VCs ein Mitspracherecht bei Secondary-Verkäufen
  • Transparente Kommunikation: Alle Beteiligten sollten über die Transaktion informiert sein

In welcher Phase sind Secondaries gerechtfertigt?

Frühe Phasen (Seed/Series A)

In sehr frühen Phasen sind Secondaries eher unüblich und können negative Signale an Investoren senden. Gründer sollten zu diesem Zeitpunkt noch voll committed sein und ihr gesamtes Risiko im Unternehmen haben.

Wachstumsphasen (Series B/C und später)

Ab Series B werden Secondaries zunehmend akzeptiert und sogar erwünscht. Gründer haben bereits bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, und eine gewisse Diversifikation ist berechtigt.

Reife Phasen (Late Stage)

In späteren Runden sind Secondaries fast schon Standard. Gründer und frühe Mitarbeiter haben oft Jahre oder sogar Jahrzehnte in das Unternehmen investiert und sollten die Möglichkeit haben, einen Teil ihrer Gewinne zu realisieren.

Warum Secondaries für Gründer wichtig sind

Finanzielle Sicherheit

Nach Jahren harter Arbeit bei meist minimalem Gehalt ermöglichen Secondaries Gründern, endlich finanzielle Sicherheit zu erlangen. Das reduziert persönlichen Stress und kann paradoxerweise zu besseren unternehmerischen Entscheidungen führen.

Risikodiversifikation

Selbst erfolgreiche Startups können scheitern. Durch den Verkauf eines Teils der Anteile streuen Gründer ihr Risiko und sind nicht mehr zu 100% vom Erfolg eines einzigen Unternehmens abhängig.

Motivation und Fokus

Gegen die intuitive Annahme können Secondaries die Motivation sogar steigern. Gründer, die bereits einen Teil ihrer Anteile monetarisiert haben, können sich entspannter auf das langfristige Wachstum konzentrieren, ohne ständig unter dem Druck zu stehen, ihre gesamte finanzielle Zukunft aufs Spiel zu setzen.

Team-Motivation

Wenn auch frühe Mitarbeiter die Möglichkeit zu Secondaries bekommen, steigt deren Motivation und Bindung ans Unternehmen erheblich. Es zeigt, dass ihre Beteiligung real value hat.

Timing ist entscheidend

Die Kunst liegt im richtigen Timing. Zu frühe Secondaries können das Vertrauen der Investoren untergraben, zu späte bedeuten verpasste Chancen zur Risikodiversifikation. Holger Seims Aussage "Ich wünschte, ich hätte früher Secondaries gemacht" spiegelt genau dieses Dilemma wider.

Erfolgreiche Gründer beginnen meist ab Series B damit, in jeder weiteren Runde einen kleinen Prozentsatz ihrer Anteile zu verkaufen. So bauen sie schrittweise finanzielle Sicherheit auf, ohne das Vertrauen der Investoren zu verlieren.

Fazit

Secondary Transactions sind ein wichtiges Instrument für erfolgreiche Startups und deren Gründer. Sie ermöglichen Risikodiversifikation, finanzielle Sicherheit und können paradoxerweise zu besseren unternehmerischen Entscheidungen führen. Das richtige Timing ist dabei entscheidend – nicht zu früh, aber auch nicht zu spät.

Unicorn Bakery

Deine Marke. 600+ Episoden. Tausende Gründer.

Erreiche die ambitioniertesten Gründer Deutschlands als Podcast-Sponsor.

Sponsor werden