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13. April 2026

Rekalibrierung als Startup: Ohne angepasste Meilensteine wirst du keine neue Finanzierung bekommen – Marvin Liao, Diaspora Ventures

Über diese Episode

Mit über 450 Investments in frühphasige Startups gehört Marvin Liao von Diaspora Ventures zu den aktivsten Investoren weltweit. In unserem Gespräch teilt er seine Beobachtungen über die aktuelle Marktsituation und gibt konkrete Ratschläge für Gründer, die sich in schwierigen Zeiten neu ausrichten müssen.

Die Realität der aktuellen Marktsituation

Liao beobachtet bei seinen Portfolio-Unternehmen ein wiederkehrendes Muster: Viele Gründer gehen davon aus, dass die schwierige Marktsituation nur andere trifft – nicht sie selbst. Diese Verdrängung kann fatale Folgen haben, besonders wenn es um die nächste Finanzierungsrunde geht.

"Gründer müssen verstehen, dass sich die Investitionslandschaft fundamental verändert hat", erklärt Liao. "Die Millionen-Runden der Vorjahre werden sich in 2023 nicht einfach wiederholen. Wer das nicht akzeptiert und seine Meilensteine entsprechend anpasst, wird keine neue Finanzierung bekommen."

Warum externe Hilfe in Krisenzeiten entscheidend ist

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch: In schwierigen Zeiten ist es super wichtig, sich Hilfe von außen zu holen. Viele Gründer versuchen, alles allein zu bewältigen – ein Fehler, der das Unternehmen gefährden kann.

"Unvorbereitet zu sein hat Konsequenzen", warnt Liao. "Gründer müssen ehrlich bewerten, ob sie für das nächste Krisenjahr gewappnet sind. Das bedeutet auch, externe Berater, Mentoren oder erfahrene Investoren um Rat zu fragen."

Meilensteine überarbeiten und Überlebensstrategie entwickeln

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Notwendigkeit, Meilensteine und Pläne für die nächste Finanzierungsrunde komplett zu überarbeiten. Das mit dem aufgenommenen Geld der Vorjahre durch 2023 zu kommen, erfordert eine durchdachte Strategie.

Liao empfiehlt einen pragmatischen Ansatz beim Fundraising:

  • Realistische Bewertungen ansetzen
  • Längere Runway planen
  • Mehrere Finanzierungsszenarien durchspielen
  • Früh mit potenziellen Investoren sprechen

Kommunikation in der Krise

Besonders herausfordernd ist die Kommunikation, wenn Gründer merken, dass ihr Unternehmen im Krisenmodus ist. Sowohl gegenüber dem eigenen Team als auch den Investoren ist Transparenz entscheidend.

"Wenn du merkst, dass das Unternehmen die nächste Phase nicht überleben könnte, ist ehrliche Kommunikation der einzige Weg", betont Liao. "Probleme zu verschweigen macht alles nur schlimmer. Investoren und Mitarbeiter können nur helfen, wenn sie die Situation verstehen."

Nicht alles ist schlecht: Chancen in der Krise

Trotz aller Herausforderungen sieht Liao auch positive Aspekte in der aktuellen Marktsituation. Für gut vorbereitete Startups ergeben sich durchaus Chancen – weniger Konkurrenz um Talente, günstigere Akquisitionskosten und fokussiertere Investoren, die Qualität über Quantität stellen.

Praktische Schritte für die Rekalibrierung

Um festzustellen, ob man für schwierige Zeiten gewappnet ist, empfiehlt Liao konkrete Maßnahmen:

  • Cashflow-Analyse: Wie lange reicht das Geld bei verschiedenen Szenarien?
  • Milestone-Review: Sind die geplanten Ziele noch realistisch?
  • Team-Assessment: Haben wir die richtigen Leute für die Krise?
  • Marktanalyse: Wie entwickelt sich unser Segment wirklich?

Der klare Kopf in turbulenten Zeiten

Liaos wichtigster Rat: Einen klaren Kopf bewahren und nichts überstürzen. "Unternehmenskultur und Kommunikation sind gerade in Krisenzeiten entscheidend", erklärt er. "Panik führt zu schlechten Entscheidungen. Stattdessen sollten Gründer systematisch vorgehen und sich auf das Wesentliche konzentrieren."

Für Gründer, die internationale Unternehmen aufbauen wollen, hat Liao einen besonderen Tipp: "Denkt global, aber startet lokal. Baut erst eine solide Basis auf, bevor ihr expandiert."

Fazit: Anpassung ist überlebenswichtig

Die Botschaft von Marvin Liao ist klar: Nur wer bereit ist, sich an die neue Realität anzupassen, wird überleben. Das bedeutet ehrliche Selbsteinschätzung, angepasste Meilensteine und vor allem: frühzeitige Kommunikation mit allen Stakeholdern.

"Rekalibrierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke", fasst Liao zusammen. "Die Gründer, die jetzt handeln und ihre Strategien anpassen, werden gestärkt aus dieser Phase hervorgehen."

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