3. Februar 2026
Expansion in die USA: Learnings aus den ersten Monaten - mit Malte Rau, Pliant
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Über diese Episode
Der US-Markt gilt für viele Fintechs als die ultimative Herausforderung – und als größte Chance zugleich. Malte Rau, Gründer und CEO von Pliant, hat diesen mutigen Schritt gewagt und teilt seine ersten Erfahrungen aus den ersten Monaten in New York.
Warum die USA für Fintechs entscheidend sind
Für Malte ist klar: Der US-Markt ist die "Königsklasse" für Fintechs, insbesondere im Bereich Business-Kreditkarten. "Die USA sind der größte und wichtigste Markt für Business-Kreditkarten weltweit", erklärt er. Hier entscheidet sich, ob ein Fintech zu den globalen Marktführern aufsteigen kann oder regional begrenzt bleibt.
Pliant, das sich auf Corporate Cards und Spend Management spezialisiert hat, sieht in den USA nicht nur ein Wachstumspotenzial, sondern eine strategische Notwendigkeit. Ohne eine starke Präsenz im US-Markt bleibt selbst das beste europäische Fintech in seiner globalen Reichweite limitiert.
Die Skalierung in Europa als Fundament
Bevor Pliant den Sprung über den Atlantik wagte, etablierte sich das Unternehmen erfolgreich in europäischen Märkten wie Deutschland, Frankreich und dem UK. Diese Erfahrungen bildeten das Fundament für die US-Expansion. "Die Learnings aus Europa haben uns gezeigt, worauf es beim Skalieren wirklich ankommt", so Malte.
Die Definition von "gut skalieren" ist dabei entscheidend: Es geht nicht nur um Wachstum, sondern um nachhaltiges, profitables Wachstum mit den richtigen KPIs. Pliant fokussiert sich auf Netzwerkeffekte und wiederkehrende Umsätze – Faktoren, die besonders im kompetitiven US-Markt über Erfolg und Scheitern entscheiden.
Hiring in den USA: Ein anderes Spiel
Eine der größten Überraschungen für Malte waren die Unterschiede beim Hiring. "Das Arbeitsrecht, die Geschwindigkeit und die Motivation von Mitarbeitern in den USA unterscheiden sich fundamental von Europa", berichtet er. Während europäische Märkte oft längere Entscheidungsprozesse haben, erwarten US-Kandidaten schnelle, klare Entscheidungen.
Die Flexibilität im US-Arbeitsmarkt bringt Vor- und Nachteile: Einerseits können Teams schneller aufgebaut werden, andererseits ist die Mitarbeiterfluktuation höher. Pliant musste seine Recruiting-Strategie komplett überdenken und an die lokalen Gegebenheiten anpassen.
Budgetplanung und Risikomanagement
Die Frage nach dem nötigen Budget für eine US-Expansion beschäftigt viele europäische Startups. Maltes Rat ist klar: "Konservative Planung ist entscheidend." Die Kosten für Talent, Office-Space und Compliance in Märkten wie New York übersteigen oft die europäischen Erwartungen deutlich.
Pliant setzte auf einen schrittweisen Ansatz: Erst ein kleines Team vor Ort, dann graduelle Expansion basierend auf ersten Erfolgen. Diese Strategie minimiert das Risiko und ermöglicht kontinuierliches Lernen und Anpassen.
Timing als Erfolgsfaktor
Ein zentraler Punkt in Maltes Learnings: "Timing ist oft wichtiger als das beste Produkt." Marktchancen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, kann entscheidender sein als eine perfekte Lösung zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen.
Die Kunst liegt darin, den richtigen Zeitpunkt für die Expansion zu finden – weder zu früh, wenn das Produkt noch nicht bereit ist, noch zu spät, wenn Konkurrenten bereits etabliert sind.
Der Spagat zwischen Familie und Unternehmertum
Expansion bedeutet nicht nur geschäftliche Herausforderungen. Malte spricht offen über den Spagat zwischen Familie und Unternehmertum: "Transparente Kommunikation ist dabei entscheidend." Die Belastung einer internationalen Expansion betrifft nicht nur den Gründer, sondern das gesamte persönliche Umfeld.
Seine Lösung: Klare Erwartungen setzen, regelmäßige Auszeiten planen und das Team so aufbauen, dass nicht alles von der persönlichen Anwesenheit des CEOs abhängt.
Langfristige Vision und Hypothesen
Für die nächsten 5-10 Jahre hat Pliant klare Hypothesen entwickelt: Um zu den größten Playern im Fintech-Markt zu gehören, muss das Unternehmen beweisen, dass es sowohl in Europa als auch in den USA erfolgreich skalieren kann. "Es geht darum, die richtigen Hypothesen zu identifizieren und systematisch zu validieren", erklärt Malte.
Die US-Expansion ist dabei mehr als nur geografische Diversifizierung – sie ist ein Test für die globale Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
Erste Learnings und Ausblick
Nach den ersten Monaten in New York zieht Malte ein gemischtes Fazit: "Die Herausforderungen sind größer als erwartet, aber auch die Chancen." Besonders die Geschwindigkeit des US-Marktes und die Direktheit in Geschäftsbeziehungen unterscheiden sich deutlich von europäischen Standards.
Sein wichtigster Rat für andere Gründer: "Bereitet euch auf einen Marathon vor, nicht auf einen Sprint. Der US-Markt belohnt Durchhaltevermögen und kontinuierliche Anpassung."
Die ersten Monate haben gezeigt, dass erfolgreiche US-Expansion mehr als nur ein gutes Produkt erfordert – es braucht lokale Expertise, kulturelles Verständnis und vor allem: den Mut, aus Fehlern zu lernen und schnell zu iterieren.
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