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13. April 2026

Dürfen VCs Moral haben oder geht es letztlich nur ums Geld? – Daniel Keiper-Knorr, Speedinvest

Über diese Episode

Von einem 10 Millionen Euro Fund im Jahr 2011 zu einem kürzlich verkündeten 500 Millionen Euro schweren Fund – Daniel Keiper-Knorr von Speedinvest gehört definitiv zur Elite der Seed Stage VCs in Europa. Doch diese beeindruckende Entwicklung wirft fundamentale Fragen auf: Wie viel Moral muss ein VC eigentlich haben? Wie viel Moral darf er sich überhaupt erlauben? Und wie dramatisch verändert sich der Markt für Gründer wirklich?

Bescheidene Anfänge bei Speedinvest

Wie so oft in der Startup-Welt haben auch die größten Erfolgsgeschichten klein angefangen. Speedinvests erste Schritte waren alles andere als glamourös – ein Reminder daran, dass auch etablierte VCs einmal bei null starten mussten. Diese Perspektive ist besonders wertvoll für Gründer, die sich manchmal von der scheinbaren Übermacht etablierter Investoren einschüchtern lassen.

Fehler als Learning: Die VC-Perspektive auf gescheiterte Investments

Eine der spannendsten Fragen im VC-Business: Ist ein Investment in ein Unternehmen, das später pleite geht, ein Fehler oder ein Learning? Keiper-Knorr bringt hier eine differenzierte Sichtweise ein. Für VCs gehört das Scheitern von Portfolio-Unternehmen zum Geschäftsmodell – schließlich investieren sie in risikoreiche Startups in frühen Phasen.

Die Kunst liegt darin, gescheiterte Investments richtig zu evaluieren: War der Ansatz grundsätzlich richtig, aber die Ausführung mangelhaft? Oder war bereits die Investitionsentscheidung fehlerhaft? Diese Reflexion ist entscheidend für die Weiterentwicklung als Investor.

Das Moral-Dilemma: Klarna als Beispiel

Besonders brisant wird die Diskussion beim Thema Moral im VC-Business. Am Beispiel von Klarna wird deutlich, wie komplex diese Frage ist: Darf man in Geschäftsmodelle investieren, die Menschen vermeintlich zu Schulden verleiten, wenn sie das für einen VC-Fund nötige Ergebnis bringen?

Hier prallen zwei Welten aufeinander: Die fiduziäre Verantwortung gegenüber den Limited Partners, die maximale Returns erwarten, und die gesellschaftliche Verantwortung. Keiper-Knorr zeigt auf, dass diese Entscheidung nicht schwarz-weiß ist – VCs müssen einen Balanceakt zwischen kommerziellen Interessen und ethischen Überlegungen meistern.

Veränderte Rahmenbedingungen beim Fundraising

Die Zeiten ändern sich – auch für VCs. Die Verhandlungen beim Fundraising für neue VC-Fonds haben sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Was früher vielleicht selbstverständlich war, muss heute hart erarbeitet werden. Limited Partners sind wählerischer geworden und stellen höhere Anforderungen an Track Record und Performance.

Diese Veränderungen haben direkte Auswirkungen auf die gesamte Startup-Szene. Wenn VCs schwerer an Kapital kommen, wirkt sich das unweigerlich auf ihre Investitionsstrategie aus – und damit auf die Finanzierungsmöglichkeiten für Startups.

Herausforderungen für Gründer in 2023

Für Gründer bedeutet der sich drehende Markt konkrete Anpassungen. Die goldenen Jahre des "easy money" sind vorbei. Startups müssen wieder mehr Substanz mitbringen: überzeugende Unit Economics, klare Pfade zur Profitabilität und realistische Wachstumspläne.

Die wichtigsten Punkte für Gründer:

  • Längere Fundraising-Zyklen einplanen: Was früher Wochen dauerte, kann jetzt Monate in Anspruch nehmen
  • Höhere Due Diligence-Standards: VCs prüfen genauer und stellen kritischere Fragen
  • Fokus auf Nachhaltigkeit: Pure Growth-at-all-costs-Strategien funktionieren nicht mehr
  • Realistische Bewertungserwartungen: Die Zeiten überhitzter Valuations sind erstmal vorbei

Die Zukunft des VC-Business

Speedinvests Entwicklung von 10 auf 500 Millionen Euro zeigt, dass erfolgreiches VC-Business möglich ist – aber die Spielregeln werden komplexer. Die Frage nach der Moral wird nicht verschwinden, sondern eher an Bedeutung gewinnen. ESG-Kriterien und Impact-Investing werden auch im Seed-Stage-Bereich wichtiger.

Für die deutsche und europäische Startup-Szene bedeutet das: Reife und Professionalisierung. Das mag kurzfristig schmerzhaft sein, langfristig aber zu nachhaltigeren und wertvolleren Unternehmen führen.

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