Alle Episoden

7. August 2026/78 min

600-Millionen-Exit: Wie die Urban Sports Club Gründer von Faxlisten zum Verkauf an WellHub kamen

Episode anhören

Bleib auf Stand: das Founder Briefing, Di + Fr um 7 Uhr.

Über diese Episode

2013 starteten Moritz Kreppel und Benjamin Roth mit 25 Berliner Studios und handgeschnittenen Plastikkarten. Zwölf Jahre später verkaufen sie Urban Sports Club für rund 600 Millionen Dollar an WellHub – ohne dass überhaupt ein aktiver Verkaufsprozess lief. Dazwischen liegen ein gescheitertes erstes Startup, rund zehn eigene Übernahmen, eine Finanzierungsrunde, die am Freitag vor dem Corona-Lockdown in letzter Sekunde unterschrieben wurde, und die späte Erkenntnis, dass sie bei den Margen viel zu gierig waren.

In dieser Episode erzählen Moritz und Benni die komplette Geschichte ihres Unternehmens – von der Faxliste im Studio bis zum Exit.

Vom gescheiterten Startup zum MVP, für den man sich schämt

Bevor es Urban Sports Club gab, gab es Bennis erstes Startup rund um Fußballhallen. Es ist vor die Wand gefahren – „die meisten Ersparnisse sind draufgegangen", sagt er rückblickend. Kurios: Ausgerechnet die in Indien gebaute Plattform dieses gescheiterten Projekts wurde zur ersten Software von Urban Sports Club. Im Frontend stand plötzlich Yoga-Kurs, im Backend war es noch immer als Fußballcourt angelegt.

Der eigentliche Launch fand im Januar 2013 mit 25 Studios in Berlin statt. Keine App, keine Investoren – dafür von Hand ausgeschnittene Plastikkarten und Papierlisten in den Studios, die am Monatsende gefaxt wurden. Moritz bringt es auf den Punkt: „Wenn man sich nicht für das Produkt schämt, mit dem man auf den Markt geht, hat man zu lange gewartet. Und wir haben uns sehr geschämt."

Das Feedback war durchweg positiv – trotzdem kam anfangs niemand. Das Problem: Niemand hat aktiv nach diesem Produkt gesucht, es klang schlicht „too good to be true". Die entscheidende Erkenntnis kam erst später: Es geht nicht um die Gesamtzahl der Studios, sondern um die Dichte pro Stadtteil.

Pricing, Unit Economics & warum Marge nicht alles ist

Ein bemerkenswertes Detail: Der Preis von 59 Euro pro Monat existiert seit dem Start unverändert. Die Studios zahlen bis heute nichts dafür, auf der Plattform präsent zu sein – die Einstiegshürde liegt damit für Partner nahezu bei null.

Rückblickend sagt Moritz: „Wir waren zu gierig, was Margen anbelangt." Gestartet sind sie mit 40 bis 50 Prozent Marge, heute liegt sie bei rund 20 Prozent. Der Grund: Höhere Margen bremsen in einem Plattform-Ökosystem das Wachstum auf beiden Seiten – Studios und Mitglieder. Genau dasselbe Muster beobachteten sie später bei den Startups, die sie selbst übernommen haben.

Das führte auch zur Entscheidung für Venture Capital, obwohl das Ziel eigentlich war, investorenfrei zu bleiben. Die Logik dahinter: „Wenn du an dem Kunden acht, neun Euro verdienst, brauchst du schon echt verdammt viele." Das Modell funktioniert nur in extremer Größenordnung.

Finanzierung, Übernahmen & Hyper-Growth

Der Finanzierungsweg von Urban Sports Club war alles andere als klassisch. Am Anfang standen 20.000 Euro von Family & Friends, gefolgt von einer Angel-Runde über 430.000 Euro. Zusammengestellt hat diese Runde nicht das Gründerteam selbst, sondern der CEO ihres größten Firmenkunden – der sowohl investierte als auch sein eigenes Netzwerk mitbrachte.

Ein zentrales Kapitel der Wachstumsgeschichte ist die Übernahme von Somuchmore, einem Rocket-Internet-Konkurrenten, der binnen acht bis zwölf Monaten in sechs Länder skaliert war und dann kollabierte. Moritz und Benni sprachen direkt mit dessen Investoren: HV Capital kaufte die Angels heraus und investierte frisch in Urban Sports Club. Wie Moritz es beschreibt: „Wir kaufen die Investoren praktisch ein."

Der Druck durch die Nullzinsphase war real. Moritz erinnert sich: „Ich weiß noch, wo wir uns vor unserem Board rechtfertigen mussten, dass wir in einem Monat nur 25 Leute angestellt hatten." Das größte Learning aus dieser Phase: zu viele manuelle Workarounds, zu wenig Fokus auf Automatisierung.

Covid, Restrukturierung und der Exit an WellHub

Ein dramatischer Moment der Firmengeschichte: die Finanzierungsrunde vom Freitag, 6. März 2020. Eine Unterschrift aus dem Ausland fehlte noch, jemand schlug vor, die Sache am Montag abzuschließen. Kreppel und Roth bestanden darauf, beim Notar zu warten, bis alles unter Dach und Fach war. Gut so – denn am Montag war Lockdown in Deutschland. Die Finanzierungsrunde hätte dann nicht mehr geklappt.

Die folgende Krise managten sie mit einem sehr konkreten System: eine Tafel pro Stakeholder-Gruppe an der Wand. Mitgliedern boten sie an, ihre Mitgliedschaft jederzeit tagesaktuell zu pausieren. Wer trotzdem blieb, dessen Beitrag ging zu 80 Prozent direkt an die Studios weiter. Trotz aller Bemühungen mussten Italien und die Nordics-Märkte am Ende geschlossen werden.

Zwölf Jahre nach der ersten handgeschnittenen Plastikkarte steht nun der Verkauf an WellHub für rund 600 Millionen Dollar – ohne aktiven Verkaufsprozess. Im Gespräch erzählen Moritz und Benni auch, wie sich das anfühlt: nach dem Exit plötzlich Corporate Manager zu sein.

Unicorn Bakery

Deine Marke. 600+ Episoden. Tausende Gründer.

Erreiche die ambitioniertesten Gründer Deutschlands als Podcast-Sponsor.

Sponsor werden