26. Juni 2026/59 min
25 Jahre KKR, 758 Mrd. AUM: Philipp Freises Lessons aus 50 Jahren Private Equity
Über diese Episode
Philipp Freise ist seit 25 Jahren bei KKR, einer der größten Investmentfirmen der Welt mit über 750 Milliarden Dollar Assets under Management. Als Partner und Co-Head of European Private Equity hat er den Wandel der Branche über zwei Jahrzehnte hautnah miterlebt – von Dotcom über die Finanzkrise bis zur aktuellen KI-Revolution. In dieser Episode von Unicorn Bakery spricht er darüber, wie künstliche Intelligenz Private Equity fundamental verändert, warum deutsche Pensionskassen im internationalen Vergleich massiv hinterherhinken und warum Substanz für Gründer heute schwieriger zu erreichen ist als reines Momentum.
Wie KI die Wertschöpfungskette von Private Equity komprimiert
KI verändert nicht nur einzelne Portfoliounternehmen, sie verändert die gesamte Arbeitsweise von Private-Equity-Firmen. Due Diligence, früher ein wochenlanger Prozess mit großen Teams, geht heute deutlich schneller. Das verschiebt den Fokus: Wo früher viel Zeit in administrative und analytische Prozesse floss, konzentriert sich die Wertschöpfung zunehmend auf organisches Wachstum.
Gleichzeitig bekommen Roll-Up-Strategien durch KI eine neue Dimension. Serviceunternehmen lassen sich schneller zusammenführen, weil viele der operativen Integrationsschritte, die früher Monate dauerten, jetzt in einem Bruchteil der Zeit erledigt werden können. Organisches und inorganisches Wachstum verschmelzen dadurch stärker als je zuvor.
Ein weiterer Effekt: KI ermöglicht kleinere Teams. Das bedeutet aber auch, dass die Gründer-Due-Diligence wichtiger wird als je zuvor. Wenn ein Team kleiner ist und mehr Verantwortung auf einzelne Personen konzentriert, entscheidet die Person an der Spitze über nahezu alles. Investoren müssen also genauer hinschauen, wer ein Unternehmen führt – nicht nur was das Unternehmen tut.
Deutsche Pensionskassen: 100-fach hinter den USA
Ein zentrales Thema der Episode ist der Kapitalmarkt selbst. Philipp Freise nennt eine Zahl, die aufhorchen lässt: Deutsche Pensionskassen investieren nur 0,1 Prozent ihres Kapitals in Venture Capital – in den USA sind es rund 10 Prozent. Das ist ein Unterschied um den Faktor 100.
Immerhin gibt es Bewegung: Der Anstieg bei deutschen Pensionskassen liegt zuletzt bei über 50 Prozent, wenn auch von einer sehr niedrigen Basis aus. Das strukturelle Problem bleibt aber bestehen und limitiert, wie viel Kapital heimische institutionelle Investoren in Zukunftstechnologien stecken können.
Parallel dazu öffnet sich Private Equity zunehmend für Privatanleger. Über Co-Investment-Vehicles kann mittlerweile praktisch jeder in PE-Strategien investieren, die früher ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten waren. Das verändert die Kapitalbasis der gesamten Branche.
Ein weiterer spannender Punkt betrifft die IPO-Fenster. Mit Unternehmen wie SpaceX und Anthropic wird aktuell getestet, ob große, kapitalintensive Firmen erfolgreich an die Börse gehen können. Ein Erfolg dieser IPOs könnte den seit Jahren bestehenden Liquiditätsstau im gesamten Markt auflösen – Kapital, das aktuell in privaten Unternehmen gebunden ist, könnte wieder freigesetzt werden.
Europas Chance: Geopolitik, Industrial AI und Robotics
Geopolitische Diversifizierung macht Europa aus Investorensicht attraktiver. Internationale Investoren verschieben zunehmend Allokationen zugunsten Europas, weil eine reine Konzentration auf die USA oder Asien nicht mehr als ausreichend diversifiziert gilt.
Für Deutschland sieht Philipp Freise besonders in Industrial AI und Robotics eine große Chance. Unternehmen wie Helsing und Neuro Robotics nennt er als Leuchtturmprojekte, die zeigen, dass Deutschland in diesen Bereichen technologisch und unternehmerisch mithalten kann.
Ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg dieser Unternehmen ist Defensibility – also die Frage, wie verteidigungsfähig ein Geschäftsmodell tatsächlich ist. Nach Freises Einschätzung hängt das zunehmend an proprietären Daten. Software ohne einen echten Daten-Moat ist schnell ersetzbar, egal wie gut das Produkt aktuell aussieht.
Substanz statt Momentum: Was Gründer heute wirklich brauchen
Ein zentrales Learning der Episode: Zehn Millionen Euro ARR zu erreichen ist heute leichter als früher. Die Skalierung danach ist jedoch brutaler als je zuvor. Der Markt verzeiht weniger Fehler, sobald ein Unternehmen die frühe Wachstumsphase hinter sich lässt.
Bei der Investorenwahl gilt: Die besten Investoren sind eine Handvoll. Signaleffekte entscheiden über den gesamten Funding-Pfad – wer in einer frühen Runde die falschen oder richtigen Namen im Cap Table hat, spürt die Auswirkungen oft noch Jahre später bei Folgerunden.
Die vielleicht wichtigste Lektion aus 25 Jahren Private Equity und Beobachtung unzähliger Gründerteams bringt Philipp Freise auf einen einfachen Nenner: Nicht jammern, weitermachen. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, wie Gründer damit umgehen. Am Ende sind es die Leute, die machen, die auch tatsächlich etwas bewegen.
Die Episode bietet einen seltenen Einblick in die Denkweise eines Private-Equity-Veteranen, der nicht nur Zahlen und Strategien im Kopf hat, sondern auch ein feines Gespür dafür, was Gründer und Unternehmen langfristig erfolgreich macht.
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