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10. Juli 2026/82 min

15 Milliarden Euro laufen über seine Software – und keiner kennt die Firma (Bunch-Gründer Levent Altunel)

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Levent Altunel hat mit Bunch ein Unternehmen aufgebaut, über dessen Software mittlerweile 15 Milliarden Euro Assets under Management laufen. Trotzdem kennt kaum jemand außerhalb der Private-Markets-Bubble den Namen. Das liegt daran, dass Bunch kein Consumer-Produkt ist, sondern das Betriebssystem für Fondsmanager im Private-Equity- und Venture-Capital-Bereich – ein Markt, der operativ seit Jahrzehnten kaum modernisiert wurde.

Private Markets: Operativ in den 80ern stecken geblieben

Levents zentrale Beobachtung: Während man bei Trade Republic für einen Euro in ein Wertpapier investieren kann, kostet ein Investment in einen Private-Market-Fonds schnell Zehntausende Euro an operativem Aufwand – Excel-Tabellen, manuelle Prozesse, E-Mail-Ping-Pong zwischen Investoren, Fondsmanagern und Administratoren. Die Infrastruktur, die im Retail-Investment-Bereich längst digitalisiert wurde, existiert in Private Markets schlicht nicht in vergleichbarer Form.

Genau hier setzt Bunch an. Gestartet ist das Unternehmen mit einem vergleichsweise einfachen Einstiegspunkt: SPVs (Special Purpose Vehicles), also einzelne Zweckgesellschaften, über die Investoren gebündelt in ein Investment einsteigen. Das war bewusst der einfachste Anwendungsfall – ein Wedge, um sich in den Markt vorzuarbeiten.

Vom SPV-Tool zum Full-Service Fund Admin

Heute deckt Bunch weit mehr ab als SPVs. Das Produkt umfasst Investor Onboarding, Capital Calls, Accounting und Regulatory Filings – also den kompletten operativen Stack, den ein Fondsmanager braucht, um einen Fonds zu betreiben. Bunch ist mittlerweile in vier Ländern aktiv und hat kürzlich ein Unternehmen in Luxemburg akquiriert.

Diese Akquisition ist strategisch kein Zufall: Luxemburg ist Europas Fonds-Hauptstadt. Ein Großteil der europäischen Fondsstrukturen wird dort aufgesetzt, weil die regulatorischen Rahmenbedingungen für Fondsvehikel besonders ausgereift sind. Mit der Luxemburg-Akquisition verschafft sich Bunch eine Plattform, die weltweit einsetzbar ist – ein wichtiger Baustein für die internationale Skalierung.

Wie KI den adressierbaren Markt verändert hat

Der vielleicht spannendste Teil des Gesprächs dreht sich um die Rolle von künstlicher Intelligenz. Fund Administration gilt als extrem "sticky" – Kunden bleiben im Schnitt 10 bis 15 Jahre bei ihrem Administrator, weil ein Wechsel mit enormem manuellem Migrationsaufwand verbunden ist. Genau das hat den adressierbaren Markt für neue Anbieter bisher stark limitiert: Man konnte quasi nur neue Fonds gewinnen, aber kaum bestehende Kunden von etablierten Administratoren abwerben.

KI verändert dieses Kalkül fundamental. Bunch kann mittlerweile Zehntausende Dokumente in einer Stunde verarbeiten und dadurch auch bestehende Fonds migrierbar machen – ein Prozess, der früher Monate gedauert hätte. Damit öffnet sich plötzlich die "Installed Base" des Marktes als Zielgruppe, nicht nur Neugründungen.

Konsequenterweise baut Bunch nicht nur ein Workflow-Tool, sondern positioniert sich als AI-natives ERP-System für Fondsdaten. MCP-Schnittstellen (Model Context Protocol) spielen dabei eine zentrale Rolle, um die Dateninfrastruktur KI-fähig zu machen.

Fundraising, Pricing und der Weg zu 100 Millionen Umsatz

Bei der Wahl seiner Investoren ist Levent auffallend strategisch vorgegangen: Jede Finanzierungsrunde wurde mit Spezialisten besetzt, die zum jeweiligen Wachstumsschritt passten – darunter Motiv, Cherry Ventures, Fintech Collective und Portage. Portage bringt dabei besondere LP-Erfahrung mit und verwaltet selbst 40 bis 50 Milliarden Euro AUM – ein Perspektivwechsel, der Bunch hilft, den Markt aus Sicht der eigenen Kunden besser zu verstehen.

Beim Pricing setzt Bunch auf ein AUM-basiertes Modell. Das erlaubt es auch First-Time-Fondsmanagern, die noch kein großes Fondsvolumen verwalten, mit Bunch zu starten, während das Modell gleichzeitig mit großen Kunden mitskaliert. Nach Levents Rechnung generiert ein durchschnittlicher Fondsmanager auf der Plattform fast eine Million Euro Jahresumsatz für Bunch – eine Zahl, die den Weg zu 100 Millionen Euro Umsatz konkret vorzeichnet.

Founder Journey: Vom Executor zum Manager von Managern

Persönlich hat sich Levents Rolle in den letzten drei Jahren radikal verändert – vom operativen Macher zum "Manager von Managern". Er zieht selbst den Vergleich zu Konzernen wie VW, wo ein vergleichbarer Rollenwandel eher 20 Jahre dauert. Bei einem schnell wachsenden Startup komprimiert sich diese Entwicklung auf einen Bruchteil der Zeit.

Sein Führungsprinzip bringt er auf eine einfache Formel: Delegiere alles – aber sobald irgendwo ein Problem auftaucht, geh tief rein und geh schnell. Bei der Auswahl von Mitarbeitern und der Co-Founder-Dynamik mit seinem Partner Enrico legt Levent mehr Wert auf Attitude und Aptitude als auf reine Branchenexpertise. Die Fähigkeit, sich schnell in komplexe, regulatorisch anspruchsvolle Themen einzuarbeiten, wiegt für ihn schwerer als bereits vorhandenes Fachwissen aus der Fund-Admin-Branche.

Im Gespräch geht es außerdem um die M&A-Strategie von Bunch – die klare Ambition, selbst zu konsolidieren statt konsolidiert zu werden –, sowie um Fuck-ups, Learnings und die Resilienz, die es braucht, um in einem so komplexen, regulierten Markt ein Produkt zu bauen, das am Ende Milliarden an Kapital verwaltet.

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