100 Mio. für Noxtua: C.H.Beck übernimmt die Mehrheit
Das Briefing für Gründer, die keine Zeit für 40 Newsletter haben.
Die Woche in 60 Sekunden (heute eher 120)
Noxtua sammelt über 100 Millionen Euro ein, C.H.Beck wird Mehrheitseigner
Das Berliner Legal-Tech-Startup Noxtua hat mehr als 100 Millionen Euro eingesammelt. Der Verlag C.H.Beck wird dabei Mehrheitseigner. Mehr als 30.000 Rechtsexperten nutzen das Produkt bereits, in den vergangenen vier Wochen ist der Legal-AI-Workspace in Polen, Schweden und Tschechien gestartet.
C.H.Beck war schon 2025 mit rund 80,7 Millionen Euro Leadinvestor der Series B, damals die größte Legal-AI-Finanzierung Europas. Das frische Kapital geht in Produktentwicklung, Team, die paneuropäische Expansion und vertiefte Partnerschaften.
Quelle: Tech.eu, Runtime Wire
Europas Defense-Runden: von 300 Millionen bis 580 Millionen Dollar
Tekever hat 580 Millionen Dollar bei 6,4 Milliarden Dollar Bewertung eingesammelt. Die Runde reiht sich in eine Serie großer Defense-Deals ein: Quantum Systems holte eine Milliarde Euro, Cambridge Aerospace im August 300 Millionen Dollar, das deutsche Unmanned-Systems-Startup Stark im Juni 500 Millionen Euro.
Am selben Tag wie Tekever meldete Brahma AI eine Finanzierung über 150 Millionen Dollar bei 2 Milliarden Dollar Bewertung. Hintergrund sind steigende Verteidigungsausgaben europäischer Regierungen und die Suche nach Technologie, die näher am eigenen Kontinent entwickelt und produziert wird.
Quelle: Tech Startups
GPT-6 Sol und Luna: OpenAI halbiert die API-Preise
OpenAI hat am 22. September GPT-6 Sol und GPT-6 Luna veröffentlicht, 19 Tage nach dem Flaggschiff GPT-6 Astra. Sol kostet 2 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 10 US-Dollar pro Million Output-Tokens, Luna nur 0,10 und 0,50 US-Dollar. Das ist jeweils die Hälfte des GPT-5.6-Preises.
Beide Modelle haben ein Kontextfenster von 1,05 Millionen Token. Luna liegt auf DeepSWE v1.1 nur 2,2 Punkte hinter Sol. Sol schlägt GPT-5.6 Sol bei Coding und Computer-Use und macht laut OpenAI etwa halb so viele Fehler wie der Vorgänger.
Quelle: VentureBeat, datanorth.ai
Claude Opus 5.5 senkt die Listenpreise um 20 Prozent
Anthropic hat Claude Opus 5.5 am 22. September veröffentlicht, mit einem Kontextfenster von 1 Million Token. Der Betrieb kostet laut Anthropic bei typischen Workloads 40 Prozent weniger als beim Vorgänger. Die API-Listenpreise liegen bei 4 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 20 US-Dollar pro Million Output-Tokens.
Cache-Reads kosten nur noch 0,20 US-Dollar pro Million Token, 60 Prozent weniger als zuvor. Claude Code nutzt Opus 5.5 ab sofort als Standard-Opus-Modell.
Quelle: Releasebot, Anthropic Claude Timeline
Crusoe holt 3,9 Milliarden Dollar bei 30,9 Milliarden Bewertung
Der KI-Infrastrukturanbieter Crusoe hat in der Vorwoche 3,9 Milliarden Dollar zu einer Post-Money-Bewertung von 30,9 Milliarden Dollar eingesammelt. Die Series F führten Atreides Management, Mubadala Capital und Valor Equity Partners an, dazu kamen Nvidia und die Qatar Investment Authority.
Crusoe startete 2018 als Krypto-Mining-Firma und baute sich seither zum Neocloud-Anbieter für spezialisierte KI-Rechenzentren um. Das Geld fließt in eigene AI-Factories, also Rechenzentrumsstandorte, die speziell für KI-Chips gebaut werden.
Quelle: Tech Startups
a16z startet eine Schule für Abiturienten ohne College
Andreessen Horowitz launcht die Horowitz Andreessen Academy, ein Programm für Schulabsolventen ohne College-Erfahrung, positioniert zwischen Trade School, Y Combinator und Thiel Fellowship. Der Lehrplan reicht von technischen Modulen wie AI Research and Models bis zu Kursen in Lebensphilosophie, dazu kommen eigene Projekte der Studierenden.
Die Academy ist als For-Profit-Venture aufgesetzt und hat bereits 42 Millionen Dollar eingesammelt. Ab 2028 soll ein zweijähriges Programm mit Studiengebühren auf dem Niveau einer Elite-Privatuni folgen. Aktuell ist der Jahrgang klein, eine Erweiterung über 50 Teilnehmer hinaus ist laut a16z-Sprecher geplant.
Quelle: TechCrunch
Nächste Woche
MediaTech Startup Demo Day in Potsdam.
(Anzeige) Ich halte vor Ort die Keynote.
Der Demo Day ist Teil der #MTHCON26, Deutschlands führender MediaTech-Konferenz – zwei Tage, an denen Kreativität und Technologie ineinandergreifen, an dem Ort, an dem deutsche Filmgeschichte geschrieben wurde. Die Konferenz bringt die Menschen zusammen, die prägen, was als Nächstes kommt: Sender, Streaming-Plattformen, Produktions- und Postproduktionsfirmen, Technologieanbieter und Startups – mit über 50 internationalen Speakern zu KI in der Produktion, Virtual Production, Distribution und neuen Geschäftsmodellen.
Anmeldung hier: luma.com/ya965kac
Das Playbook der Woche
1. Rechne dein teuerstes Feature neu durch. OpenAI beziffert GPT-6 Sol auf 2 Dollar Input und 10 Dollar Output pro Million Token, Anthropic ruft für Opus 5.5 4 und 20 Dollar auf. Nimm dein Top-3-Feature nach Token-Volumen, setze beide Preislisten ein und du weißt in einer Stunde, ob dein Deckungsbeitrag pro Kunde gerade um zweistellige Prozentpunkte steigt.
2. Prüfe, wie viel deiner Last cachebar ist. Cache-Reads bei 0,20 Dollar pro Million Token machen System-Prompts, Dokumentenkontext und Tool-Definitionen fast umsonst. Wenn dein Agent denselben Kontext bei jedem Call neu schickt, zahlst du Input-Preis für etwas, das 20 Cent kosten könnte.
3. Klär die Kontrollfrage vor der nächsten Runde. Der Noxtua-Deal zeigt, dass ein strategischer Leadinvestor aus Runde B in Runde C die Mehrheit halten kann. Wenn du Kapital von einem Datenpartner oder Branchenkonzern nimmst, schreib Pro-rata, Vetorechte und Zustimmungsschwellen jetzt so, dass der nächste Scheck keine Übernahme wird, die du nicht geplant hast.
4. Schau, wo das Geld gerade hinfließt. Runden zwischen 300 Millionen und einer Milliarde in Defense und Dual-Use bedeuten volle Auftragsbücher bei Zulieferern, Sensorik, Fertigung und Software drumherum. Wenn dein Produkt in diese Lieferkette passt, ist das aktuell der kürzeste Weg zu Kunden mit Budget.
Ein Weekend-Read
Jack Dorsey: open the frontier. Dorsey hat eine Langform-Antwort in der Debatte um das Entwicklungstempo von KI veröffentlicht. Er unterstützt Prüfung durch unabhängige Evaluatoren, lehnt aber branchenweite Grenzen ab, die von den heutigen Marktführern ausgehandelt werden, und setzt stattdessen auf offene Gewichte und reproduzierbare Evaluationen. Die Reaktionen laufen quer durch alle Lager: Investor Michael Burry nannte die Warnungen eigennützigen Hype rund um Börsengänge, Palantir-CTO Shyam Sankar bezeichnete AI Safety als politische Ideologie, Präsident Trump hielt die Prämisse für einen Hoax, Kamala Harris forderte ein Gesetz vom Kongress.
Lesenswert, weil hier gerade entschieden wird, ob du in zwei Jahren auf offene Gewichte bauen kannst oder auf die APIs von drei Anbietern angewiesen bist. explainx.ai
Hier noch ein Schmankerl
In der neuesten Episode von Unicorn Bakery, spreche ich mit Integral Gründer Lukas Zörner, wo zuletzt (am 16. September) bekannt wurde, dass unter anderem LinkedIn Gründer Reid Hoffman, Mosaic Ventures, aber auch Cherry Ventures und General Catalyst, 18 Millionen Euro in der Series A investieren.
Mit Lukas spreche ich unter anderen über den Aufbau einer KI-nativen Steuerkanzlei, warum er glaubt, dass hier eine globale Chance existiert und wie sie tagtäglich mehr Prozesse automatisieren, die zu einer vollwertigen Lösung für Firmen führen.
Wir hören uns Dienstag wieder zum Founder Briefing.
Fabian
Founder Briefing · Di + Fr · 7:00 Uhr
Die nächste Ausgabe direkt ins Postfach.
Funding, KI mit Impact, neue Europa-VCs, handpicked Events. In 5 Minuten gelesen, kuratiert von Fabian Tausch.

