Europas wertvollstes Security-Startup, Cybersecurity Markt wächst deutlich
Das Briefing für Gründer, die keine Zeit für 40 Newsletter haben.
Heute etwas mehr Punkte, denn es sind einige Dinge passiert, die ich selbst übersehen habe: OpenAI plant wohl noch eine private Finanzierungsrunde vor dem IPO, Cybersecurity wird immer heißer, Anthropic versucht Wirtschaftsszenarien aufgrund von KI-Entwicklungen vorherzusagen und LinkedIn-Gründer Reid Hoffmann investiert in deutsches Startup für eine KI-Steuerkanzlei.
Bei den KI-Modellen: DeepSeek V4.1 Flash senkt Cache-Read-Preise um 57 Prozent, Gemini 3.8 Live kostet 0,005 Dollar pro Minute Audio-Input, GPT Image 2.5 halbiert die Latenz.
Die Woche in 60 Sekunden (heute vielleicht 120 Sekunden)
Exein wird mit 270 Millionen Dollar zum wertvollsten Cybersecurity-Startup Europas
Das Rom-Startup Exein hat 234 Millionen Euro, rund 270 Millionen Dollar, in einer Series C eingesammelt. Angeführt hat Headline, dabei sind Sofina, Goldman Sachs, die Europäische Investitionsbank-Gruppe, KfW Capital und T.Capital von Deutsche Telekom. Die Bewertung liegt bei 1,4 Milliarden Euro, das ist ein 30-facher Anstieg innerhalb von zwei Jahren. Der wiederkehrende Jahresumsatz im ersten Halbjahr 2026 lag viermal so hoch wie im Vorjahreszeitraum.
Exein registriert aktuell rund 5.000 neue, nicht wiederkehrende Angriffe pro Woche über sein Netzwerk, fünfmal so viele wie vor einem Jahr. Das Produkt sitzt direkt auf dem Gerät: CEO Gianni Cuozzo sagt, jedes Gerät solle sich selbst verteidigen können, unabhängig davon, ob es in einem sicheren Netzwerk hängt. Das jüngste Produkt Photon ist Runtime-Security auf Kernel-Ebene, was enge Zusammenarbeit mit den Geräteherstellern erfordert. Exein sitzt in Rom, hat Büros in Deutschland, Taiwan und den USA und schützt nach eigenen Angaben über 1,5 Milliarden Geräte täglich. Das neue Kapital geht in die US- und APAC-Expansion sowie ein Büro in der San Francisco Bay Area.
Zum Marktumfeld, weil die Frage diese Woche mehrfach kam: Security-Budgets wachsen wieder deutlich. Gartner erwartet für 2026 weltweit 240 Milliarden Dollar Ausgaben für Informationssicherheit, ein Plus von 12,5 Prozent gegenüber 213 Milliarden 2025, Forrester rechnet mit 200 Milliarden oder mehr. Das ist eine klare Beschleunigung gegenüber den 4 Prozent Wachstum in 2025. Auf der Kapitalseite ist das Geld konzentriert: 30 Runden lagen 2025 über 100 Millionen Dollar, also 8 Prozent des Dealvolumens und fast die Hälfte aller Dollars, und Alphabet hat die 32-Milliarden-Übernahme von Wiz am 11. März 2026 abgeschlossen. Dazu kommt Regulierung mit Datum: Seit dem 11. September 2026 müssen Hersteller unter dem EU Cyber Resilience Act aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle melden, auch für Produkte, die vorher auf den Markt kamen. Für Produkte der Kategorien B und C greift die Compliance-Frist am 30. Oktober 2026, alle weiteren Pflichten gelten ab 11. Dezember 2027.
Quellen: EU-Startups, TechCrunch, PitchBook, Gartner, ORC WG zum CRA
Integral holt 18 Millionen Euro, Reid Hoffman steigt ein
Mosaic Ventures und LinkedIn-Gründer Reid Hoffman investieren zusammen mit Cherry Ventures, General Catalyst und Puzzle Ventures 18 Millionen Euro in das Berliner Startup Integral. Gegründet wurde die Firma 2024 von Lukas Zörner, davor Deutschlandchef von Qonto, und Anil Can Baykal, einst CTO bei Finleap. Das Produkt automatisiert Buchhaltung, Steuerberatung und Lohnbuchhaltung für KMU. Insgesamt sind bislang mehr als 30 Millionen Euro in das noch keine zwei Jahre alte Unternehmen geflossen. Mosaic Ventures hält jetzt 7,6 Prozent, Hoffman rund 7,4 Prozent, General Catalyst weiterhin rund 19 Prozent.
Die Folge mit Lukas ist bereit aufgenommen und kommt nächste Woche Freitag bei Unicorn Bakery. 🦄
Quellen: deutsche-startups.de, tech.eu
OpenAI sondiert Runde bei über 1,2 Billionen Dollar
OpenAI führt frühe Gespräche über eine neue Finanzierungsrunde, die das Unternehmen vor einem geplanten Börsengang mit mehr als 1,2 Billionen Dollar bewerten würde. Die Gespräche kamen von Investorenseite, ein finaler Entschluss hängt am Zeitpunkt des IPOs. Die letzte Runde brachte im März 122 Milliarden Dollar bei 852 Milliarden Dollar Bewertung, im Juni folgte die vertrauliche IPO-Anmeldung. Sam Altman sagte, ein Börsengang noch in diesem Jahr sei angesichts wachsender Sorgen um existenzielle KI-Risiken ein unklug gewählter Zeitpunkt.
Drei Modell-Releases, die deine Rechnung ändern
DeepSeek V4.1 Flash nutzt ein Causal Encoder-Decoder-Design mit 552B Gesamtparametern, 8B aktiven Parametern für Input und 16B für Output. Der KV-Cache sinkt auf ein Viertel des HBM-Verbrauchs und ein Achtel des SSD-Speichers der Vorgängerversion. Input kostet 0,30 statt 0,44 Dollar pro Million Tokens, Output 1,20 statt 1,32 Dollar, Cache-Read 0,006 statt 0,014 Dollar. Die Gewichte sind MIT-lizenziert und liegen auf Hugging Face.
Google DeepMind hat am 15. September Gemini 3.8 Live und Gemini 3.8 Live Extended Thinking veröffentlicht, native Audio-zu-Audio-Modelle für Echtzeit-Sprachagenten. Extended Thinking steht auf Platz 1 im Artificial Analysis Speech-to-Speech Quality Index mit 82,6 Punkten, 68,6 Prozent auf dem Tau-Voice-Benchmark und 97,7 Prozent auf Big Bench Audio. Beide kosten 0,005 Dollar pro Minute Audio-Input und 0,018 Dollar pro Minute Audio-Output über die Live API. Tools und API-Aufrufe laufen im Hintergrund, während das Gespräch weiterläuft.
OpenAI hat GPT Image 2.5 am 8. September direkt in ChatGPT ausgerollt, inklusive Sketch-Feature, das Zeichnungen in KI-Bilder umwandelt. Die Latenz sank um 50 Prozent gegenüber der Vorversion. Über die API gibt es Flare für schnellere Generierung bei etwas geringerer Qualität und Sunburst für detailreichere, aber langsamere Ergebnisse.
Quellen: LLM Gateway, Google Blog, Wikipedia
Das Playbook der Woche
Thema: Was Agenten wirklich kosten, wenn man sie ernst nimmt. Grundlage sind die Zahlen aus dem OpenAI-Report "Research acceleration: The view inside OpenAI".
1. OpenAI rechnet mit dreistelligen Tagessätzen pro Kopf. Der typische Forscher bei OpenAI verursachte Mitte August 2026 im Schnitt mehr als 600 Dollar täglich an Inferenzkosten durch interne Coding-Agenten, die intensivsten Nutzer über 7.000 Dollar pro Tag. Wenn du Agenten im Engineering ausrollst, gehört diese Zahl in dein Budget, nicht in die Fußnote.
2. Plane den Menschen ein. Über die Hälfte der erfolgreich abgeschlossenen Aufgaben mit vier bis acht Stunden Laufzeit brauchte laut Report weiterhin menschliches Eingreifen. Vollautomatisierung ist kein Zielbild für dieses Quartal.
3. Beobachte, was in deiner Organisation verschwindet. Interne Support-Kanäle, in denen Forscher früher Debugging-Hilfe von Kollegen holten, verzeichnen sinkenden Traffic, ein Team hat seine Office Hours komplett eingestellt. Wissen, das vorher in Gesprächen entstand, wandert in Prompts.
4. Optimiere zuerst den Cache, dann das Modell. Cache-Read bei DeepSeek V4.1 Flash liegt jetzt bei 0,006 Dollar pro Million Tokens, Audio-Input bei Gemini 3.8 Live bei 0,005 Dollar pro Minute. Bei langlaufenden Agenten entscheidet die Preisstruktur der Wiederverwendung mehr als der Listenpreis pro Output-Token.
Quellen: OpenAI Newsroom, officechai
Ein Weekend-Read
Five bellwethers for AI's next disruptions, ETC Journal. Der Deep-Dive ordnet Dario Amodeis Septemberessay als radikalsten Governance-Vorschlag ein, den bislang ein großes US-Frontier-Lab veröffentlicht hat, Kernforderung: "We must slow the pace at which we improve the capabilities of AI models". Der Vorschlag umfasst drei Eingriffsebenen: fest eingebettete externe Prüfer in Frontier-Firmen, koordinierte Sicherheitsstandards und ein abgestimmtes Tempo unter demokratischen Staaten. Der Artikel stellt diese Position neben die Strategien von Demis Hassabis, Jensen Huang, Fei-Fei Li und Liang Wenfeng. Lesenswert, weil du danach sauber unterscheiden kannst, welche Roadmap-Annahmen deiner Planung von Technik abhängen und welche von Politik.
Frisch im Ohr 🎧
Die aktuelle Folge von Unicorn Bakery findest du überall, wo es Podcasts gibt.
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Dabei spreche ich mit Scalable Capital CMO Max Meyer über den Aufbau von Marken in einer Zeit, in der wir mehr AI Slop lesen und uns angleichen denn je.
Was macht eine gute Marke (heute noch) aus? Wie entwickle ich eine Marke weiter, wenn die Firma rasant wächst und wo gehen Millionen Budgets eigentlich hin, wenn Performance Marketing “ausgereizt” ist?
Das war's für heute 🦄
Schönes Wochenende, komm gut in die neue Woche. Wir hören uns Dienstag wieder zum Founder Briefing.
Fabian
Founder Briefing · Di + Fr · 7:00 Uhr
Die nächste Ausgabe direkt ins Postfach.
Funding, KI mit Impact, neue Europa-VCs, handpicked Events. In 5 Minuten gelesen, kuratiert von Fabian Tausch.


